Wissenschaftliche Begleitstudie

„CEOs on Wheels“ bietet durch das Mentoring-Programm eine potenziell strukturelle Maßnahme und spricht mit dem Workshop für HR-Führungskräfte zudem die individuelle Wahrnehmungsebene an. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies ein höchst interessantes Projekt, zumal es kaum Studien zur Wirksamkeit von konkreten Maßnahmen die Wahrnehmung (Awareness raising) betreffend gibt (Gewurtz/Kirsh 2009). In diesem Sinne bietet sich eine wissenschaftliche Begleitstudie an, mit dem Ziel, die Auswirkungen des Workshops beziehungsweise der Begleitung von Menschen im Rollstuhl im Arbeitsalltag zu evaluieren.

Aus der bisherigen wissenschaftlichen Forschung ist abzuleiten, dass Behinderung unterschiedlich wahrgenommen und auch konnotiert wird (Saint-Arnaud/Damasse 2006). Diese Wahrnehmung seitens der Vorgesetzten beziehungsweise KollegInnen wiederum beeinflusst massiv die Integration und Arbeit von Menschen mit Behinderung (Moore et al. 2010). So zeigt sich etwa, dass ein unterstützender und offener Umgang mit Behinderung am Arbeitsplatz direkte Auswirkungen auf die Arbeitsleistung, den Verbleib beziehungsweise die Rückkehr nach krankheitsbedingter Abwesenheit von ArbeitnehmerInnen mit Behinderung hat (Dyck/Jongbloed 2000; Kirsh 2000; Pinder 1995; Saint-Arnaud/Damasse 2006).

Dies zeigt auf, dass für die erfolgreiche Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsalltag neben baulichen Maßnahmen zur Arbeitsplatzgestaltung und -erreichung, auch soziale Anpassungen notwendig sind (Gewurtz/Kirsh 2009). Diese wiederum beginnen mit der Wahrnehmung von Behinderung am Arbeitsplatz seitens der Führungskräfte und EntscheidungsträgerInnen.

„CEOs on Wheels“ zielt darauf ab, die Wahrnehmung von Behinderung im Arbeitskontext, konkret von RollstuhlfahrerInnen, bewusst zu machen, etwaige Vorurteile Menschen im Rollstuhl betreffend aufzudecken und somit einen offeneren Umgang mit dieser Thematik zu erreichen.

Als wissenschaftliche Begleitstudie bieten sich qualitative Interviews mit den teilnehmenden Führungskräften an, sowohl zu Beginn als auch am Ende des Projekts. Durch den Vergleich der Daten können Rückschlüsse auf die Art und Intensität der Wirksamkeit von „CEO on Wheels“ gezogen werden.

Die Begleitstudie wird Teil zweier Lehrveranstaltungen der Speziellen Betriebswirtschaft „Diversitäts¬management“ an der WU sein. Die teilnehmenden Studierenden haben bereits mehrere Kurse zum Thema Diversitäts¬management absolviert und fundierte theoretische Kenntnisse erworben. Diese nun auf ein konkretes praktisches Beispiel anzuwenden, dient zum einen der Festigung der Diversitäts¬kompetenz unserer Studierenden und bietet zum anderen die Möglichkeit einer umfassenden wissenschaftlichen Evaluierung des Projekts.

Erste Ergebnisse der Evaluierung werden vermutlich im Sommer 2012 vorliegen.

Dr. Heike Mensi-Klarbach
WU Wien, Abteilung für Gender und Diversitätsmanagement

Referenzen:

Dyck, I./ Jongbloed, L. (2000): Women with multiple sclerosis and employment issues: A focus on social and institutional environments. In: Canadian Journal of Occupational Therapy, 67, pp. 337-346.

Gewurtz, R./Kirsh, B. (2009): Dosruption, disbelief and resistance: A meta-synthesis of disability in the workplace. In: Work, 34, pp. 33-44.

Kirsh, B. (2000): Work, workers and workplaces: A qualitative analysis of narratives of mental health consumers. In: Journal of Rehabilitation, 66, pp. 24-30.

Pinder, R. (1995): Bringin back the body without blame?: The experience of ill and disabled people at work. In: Sociology of Health & Illness, 17, pp. 605-631.

Saint-Arnaud, L./Saint-Jean, M./Damasse J. (2006): Towards enhanced understanding of factors involved in the return-to-work process of employees absent due to mental health problems. In: Canadian Journal of Community Mental Health, 25, pp. 301-315.

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